Update Ukraine - 30.10.2022

Ihr Lieben,

Wir sind auf dem Rückweg nach Polen. Fünf Tage Einsatz liegen hinter uns. Fünf Tage gerade mal 50km von der Frontlinie im Osten entfernt. Fünf Tage, die wir wohl nie wieder vergessen werden. Noch immer kreisen unsere Gedanken um die Menschen, die, nicht wie wir, eben nicht wieder einfach so nach Hause fahren können.

Der Winter und Weihnachten steht vor der Tür und das bereitet uns große Sorgen. Vor allem in den neu befreiten Gebieten Richtung Osten, in denen nahezu alles zerstört ist, herrscht große Not. Es gibt kaum Elektrizität, Trinkwasser oder Gas. Zurückgeblieben sind die Ärmsten, Ältesten, am kränksten und viele Kinder. Die Menschen aus Charkiv stehen täglich, oft stundenlang, Schlange in der Kälte um tägliches Trinkwasser zu bekommen. Dort gibt es in der Kirche des Bischofs ein Wasserfiltersystem, das bald erneuert werden muss. In Charkiv fanden gleich zu Beginn der Invasion, die bislang und mitunter schwersten Kämpfe (abgesehen von Mariupol) statt. Der Nord-Osten der Stadt (Saltivka) ist quasi komplett zerstört und unbewohnbar. Dennoch harren zahlreiche Menschen seit Monaten in den Schutzräumen im Keller aus. Sie kochen über dem Feuer im Freien. Es ist bitterkalt und der Winter steht erst in den Startlöchern. Städte wie Izium sind ebenfalls nahezu komplett zerstört. Viele Menschen sind geflohen. Viele aber auch geblieben. Noch nie haben wir bei einem Einsatz so viel Leid und Tränen erlebt. Wenn die Menschen von den sechs Monaten unter russischer Besatzung berichten, brechen sie in Tränen aus. Frauen wurden vergewaltigt und Kinder entführt. Ihre Häuser sind zerstört und Familienmitglieder wurden getötet. Wir versuchten Trost zu spenden und zuzuhören so gut es geht. Was sollen wir sagen? Alles wird gut? Das sind dann diese stillen, leisen Momente, die schwer auszuhalten sind, doch wiederum alle Mühe Wert sind und unsere Arbeit vor Ort so Lohnenswert macht. Die Menschen denen wir begegnen dürfen sind unfassbar nett, aufmerksam, gastfreundlich, ja liebevoll.

Die Kirche wurde schon vor Monaten zum Warehouse umfunktioniert. Gottesdienste finden nur noch im Keller statt. Dort, in einem Nebenraum, wurde für uns Mittagessen zubereitet. Auch hier teilen die Menschen, das wenige das sie haben mit uns. Mit unserem Freund und Partner Petro, durften wir insgesamt 25 Tonnen Hilfsgüter (Lebensmittel, Decken & Schlafsäcke) an 1.700 Menschen in Kharkiv und an 1.300 Menschen in Izium verteilen.

Während wir in Izium Lebensmittel verteilen, hören wir in der Ferne die Artillerie und nicht selten donnern Kampfflugzeuge über unsere Köpfe hinweg. Sie fliegen Angriffe in Richtung Front. Wieder sterben Menschen. Wieder entsteht Leid. Leid, das verursacht wird durch einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, den wir zutiefst verurteilen! Unsere Solidarität mit den Menschen, denen dieses Leid widerfährt, sollte ungebrochen groß und stark sein! Und trotzdem fühlen wir uns schuldig. Jetzt fahren wir zurück in den sicheren Westen und überlassen die Menschen wieder ihrem Schicksal. Sie bleiben dort. Können nicht weg.

Doch werden wir schon bald wieder kommen und dafür brauchen wir nach wie vor Eure Unterstützung und sind mehr denn je auf jede Hilfe angewiesen. Wir planen in Charkiv mehrere beheizte Zelte und eine „Community Kitchen“ zu installieren. Zudem versuchen wir so viele Stromgeneratoren zu besorgen wie möglich. Von 1KW bis 8KW wird alles benötigt. Generatoren können auch gern jeden Samstag von 10-16 Uhr in der alten Paketpost abgegeben werden. Wir planen für Mitte November unseren nächsten Transport.

Wir bitten Euch, im Kreise Eurer Lieben für uns Werbung zu machen. Vielleicht denkt ja der eine oder andere bei seiner Weihnachtsspende an uns. Das wäre schön. Wir versprechen, dass jeder Euro ankommt!


Unterstütze uns und unsere Arbeit in der Ukraine:

www.3musketiere.org/unterstuetzen


Ein besonderer Dank an unser Team vor Ort! Danke Tania, Bogdan & Ivan.

Ein extra großes Dankeschön an unseren Koordinator Andy, der alles hervorragend und minuziös geplant und vorbereitet hat Great Job Andy!


Danke auch an Агроторгівля України / Agritrade Ukraine und die #germanfoodbridge für die Unterstützung.


One Love One World

Eure Musketiere